Ich habe eine Theorie zur Stadtentwicklung. Stadtteile durchleben einen Zyklus. Dies betrifft vor allem Innenstadtbereiche. Kieze entstehen (Phase 1), blühen auf (Phase 2), verwaisen (Phase 3), die Künstler und Freigeister...
Ich habe eine Theorie zur Stadtentwicklung. Stadtteile durchleben einen Zyklus. Dies betrifft vor allem Innenstadtbereiche. Kieze entstehen (Phase 1), blühen auf (Phase 2), verwaisen (Phase 3), die Künstler und Freigeister entdecken und erschließen die Gegend wegen ihrer billigen Mieten (Phase 4), die Spekulanten verdrängen die Kreativität (Phase 5), die Gegend geht wieder den Bach runter (Phase 3).
Nehmen wir Mitte nach der Wende. Der Bezirk befand sich in Phase 3 dann wurde er von den Künstlern und freien Gastronomen entdeckt, Mitte wurde hipp. Danach kamen die Goldgräber, die Ketten, die Bauherren, der Massentourismus und das Aus für die wirklich coole Mitte. In Mitte wurde zuviel Geld gesteckt, als das es sofort wieder verwaist. Es liegt zugegebenerweise auch zu mittig, aber der Abwärtstrend ist spürbar. Mitte befindet sich also gerade im Übergang von Phase 2 zu Phase 3.
Moabit befindet sich gerade im Übergang von Phase 3 zu Phase 4. Es stehen unglaublich viele Läden leer, aber es gibt erste Zeichen von Belebung. Das Hansa-Theater ist neu-eröffnet, die ersten Galerien entstehen, es erfolgt ein Umbau einiger Industriegebiete (Franklinstraße, Kaiserin-Augusta-Allee) in Dienstleistungszentren. Allerdings waren hier die etablierten Gastronomen (Zeitlos V, Playa Paradiso) mal schneller als mutige Jungunternehmer. Welche Auswirkungen das auf meine Stadtentwicklungstheorie hat, kann ich noch nicht vorhersagen.