Heute kamen Teile eines Interviews (per Mail) mit mir für einen Artikel in der taz heraus. Leider werde ich mit Worten zitiert, die ich nicht von mir gegeben habe. Das komplette Interview im Original kannst Du hier nachlesen.

  1. Wie hat sich podcasting in den letzten Monaten entwickelt?
    • Das Wachstum ist explosionsartig. In Deutschland starteten erst im Oktober
      2004 die ersten Experimente mit Podcasts und auch in den Staaten gab es nur
      vereinzelte Podcasts. Jetzt ist die Auswahl so groß, daß es schon etliche
      Verzeichnisdienste ausschließlich für Podcasts gibt.
    • Einzelne Podcasts kämpfen um jeden einzelnen Hörer, aber die First Mover und
      die bekannten Namen kämpfen eher mit Bandbreitenproblemen. Deren Podcasts
      werden von bis zu 50.000 Hörern heruntergeladen.
  2. Wie ist der Erfolg von podcasting zu erklären?
    • Aus Produzentensicht erklärt sich das so, daß nahezu jeder Computerhaushalt
      mit Internetanschluß mit einfachsten Mitteln einen Podcast erstellen und
      publizieren kann. Der Großteil der benötigen Software findet sich in der
      einfachsten Version als Gratisbeigabe aller gängigen Betriebssysteme, z.B.
      Texteditor und Aufnahmesoftware. Der Rest läßt sich kostenfrei, z.B. als Open
      Source-Software oder Freeware, im Internet herunterladen.
    • An Hardware wird in der Minimalausstattung eine Soundkarte, die heute Standard
      in jedem handelsüblichen Computer ist, und für Sprachaufnahmen ein Mikrofon
      benötigt.
    • Für den Hörer öffnet sich eine neue Audiowelt mit vielen alternativen
      Formaten. Podcasts sind das Gegenstück zur immergleichen werdenden
      kommerzialisierten Radiolandschaft. Die Sendungen sind im Moment noch
      weitestgehend ohne Werbung, was der Verbreitung von Podcasts ebenfalls
      geholfen hat. Weiterhin hat der Einzug von tragbaren, digitalen
      Abspielgeräten (MP3-Player) in den Otto-Normal-Haushalt einen neuen Markt für
      Audio-Inhalte geschaffen. Der Vertrieb über das Internet wurde durch die hohe
      Verfügbarkeit von breitbandigen Internetanschlüssen ermöglicht.
  3. Wie viele Podcastangebote gibt es weltweit/deutschlandweit?
    • Auf Podcast.de werden zur Zeit über 120 deutschsprachige Podcasts gezählt. Portale, die versuchen einen Gesamtüberblick über alle Podcasts weltweit zu geben, zählen zwischen 3000 (podcastalley.com) und 3300 (podnova.com)
      Podcasts.
    • Das sind die ungefähren Zahlen der aktiven Podcasts. Die ersten Podcasts
      wurden bereits wieder eingestellt und werden daher nicht mehr gelistet.
      Andere wurde schon eine Weile nicht mehr aktualisiert und fallen so aus den
      Verzeichnissen heraus.
  4. Hat podcasting Potential für neue Geschäftsmodelle im Rundfunk?
    • Es wird Geschäftsmodelle rund um Podcasting geben bzw. gibt es teilweise schon
      jetzt, z.B. spezielles Hosting für Podcasts oder Micropayment für Downloads
      von Podcasts. Ein mögliches Modell im Rundfunk wäre die Bereitstellung der
      Wortbeiträge ohne Werbung über einen kostenpflichtigen Podcast.
  5. Ist podcasting die Zukunft des Radios?
    • Ich sehe Podcasting eher als Ergänzung zum klassischen Radio, um es der
      breiten Masse zu ermöglichen, Ihr eigenes Format zu entwickeln und zu
      distributieren. Gegen gut gemachtes Radio, wo ich den Empfänger einfach nur
      einschalten brauche, und den ganzen Tag unterhalten werde, ist auch in
      Zukunft nichts zu sagen.
  6. Ist podcasting tatsächlich Konkurrenz für das normale Radioprogramm oder eher Ergänzung?
    • Es ist insofern eine Konkurrenz, als daß der Hörer nur eine Sendung auf einmal
      hören kann und sich durch die Podcasts eine Vielzahl alternativer Programme
      ergeben, die von jedermann mit Internetanschluß überall auf der Welt gehört
      werden können.
  7. Wie sollten Radiosender auf Podcasts reagieren? Selber welche anbieten?
    • Ich begrüße es sehr, wenn alle Sendungen als Podcast zur Verfügung gestellt
      werden. Es gibt sicherlich mehrere Gründe, warum kommerzielle Radiosender
      ihre Sendungen nicht als Podcast anbieten. Zum einen denke ich nicht, daß der
      Begriff Podcast schon zu allen Entscheidungsträgern vorgedrungen ist, zum
      anderen gibt es bei allen nicht im Haus produzierten Sendungen Unmengen
      rechtlicher Probleme, die es zu klären gibt. Das Stichwort GEMA sei hier
      genannt. Dort existiert für die Verteilung von Podcasts noch keine
      Gebührenordnung.
    • Nicht zu vernachlässigen ist außerdem der kommerzielle Aspekt. Ein Podcast
      kann erheblichen Traffic verursachen, daher möchte der kommerzielle Anbieter
      auch eine Möglichkeit haben, Geld mit seinem Podcast zu verdienen. Ob das
      Belassen der Werbeblöcke aus dem klassischen Radio im Podcast Sinn macht und
      Erfolg verspricht, ist eine offene Frage, die ein Radiosender dieser Tage
      einmal durch einen Feldtest klären sollte.
  8. Wer ist der typische Podcast-Hörer?
    • Die Zielgruppe benötigt mind. einen breitbandigen Internetanschluß und einen
      Computer, daher finden sich die meisten Podcast-Hörer in den Reihen der
      Internet-affinen Computernutzer, die gerne auch abseits des Mainstreams
      Audiobeiträge in Form von Musik, Worten oder sonstigen Lauten hören. Es ist
      bisher eher eine kleinere, experimentier-freudige Gruppe jüngerer Leute.
  9. Wie ließe sich die podcasting Idee auf andere Technologien übertragen z.B. auf DAB.
    • Wenn jedermann die Möglichkeit hätte, Inhalte über DAB zu verbreiten, wäre das
      ein alternativer Vertriebsweg. So sehe ich darin nur den Weg zurück zum
      klassischen Radio.
  10. Wäre ein einziges Endgerät nicht erstrebenswert?
    • Nein. Die Möglichkeit Podcasts auf jedem MP3-fähigen Endgerät abzuspielen,
      macht doch gerade den Reiz aus. Ich kann mir meine Lieblingspodcasts auf
      meinen MP3-Player überspielen, sie über meinen Computer hören, ein paar auf
      mein Handy überspielen oder sie auf CD brennen und auf meiner MP3-fähigen
      Stereoanlage hören.
  11. Wird sich mit dem Einstieg von Microsoft in das mp3-Player-Geschäft die Podcast-Community wesentlich verändern? Wenn ja, was?
    • Persönlich hoffe ich stark, daß das nicht passiert. Es gibt aber auch keinen
      wirklich Grund das zu befürchten. Podcasting ist ja durch die enorme
      Verbreitung des iPods erst richtig in Fahrt gekommen. Wenn jetzt Microsoft
      wieder ihr eigenes Süppchen kocht, ist das deren Pech, wird aber die
      Podcaster nicht davon abhalten, weiterhin einen etablierten Standard zu
      nutzen.

Verpasse keinen meiner Beiträge mehr mit dem kostenlosen RSS-Feed oder den Benachrichtigungen per E-Mail!