Ausnahmezustand in Koh Samui

Eigentlich hat die windige Jahreszeit angefangen. In eingeweihten Kreisen heißt das aber, wie mir gestern mittag erzählt wurde, und ich gestern abend erfahren durfte, daß der Regen deswegen noch lange nicht aufhört.

Ich war gestern etwas länger im Büro, und dann wurde es noch später, weil der Regen nicht aufhörte. In einem Moment, wo ich dachte, daß es günstig wäre, bin ich dann doch nach Hause gefahren. Wollte ich jedenfalls. Keine 3oo Meter weiter trieben Palmen-Stämme auf der Straße. Baumaterial von einer Hütte am Straßenrand. Einige Thais versuchten auch schon, die Stämme wieder einzulesen oder zumindest zur Seite zu räumen.

Weitere 500 Meter weiter standen Mülltonnen auf der Straße und etliche Thais am Straßenrand. Da ginge es nicht weiter, wurde mir gesagt. Hmm. Neben kam ein anderer Farang zum Stehen. Kurz darüber palawert, ob da nicht doch was zu machen wäre. Wie es der Gruppenzwang und die Neugierde so wollte, sind wir gefahren. Ich bin ungefähr 5 Meter als der andere Farang, aber insgesamt nur ca. 15 Meter weit gekommen. Das Wasser war knietief. Ist doof mit langen Jeans.

Ich habe dann mühsam mein abgesoffenes Gefährt an den halbwegs trockenen Rand schieben wollen, was mir dank der Hilfe meines Friseurs, der dort seinen Laden hat, und mich grinsend wiedererkannte, gelang. Also doch den Umweg über den Hügel nehmen. Nur leider wollte mein Roller nicht mehr. Mit kontinuierlichem Gas soff der Motor zwar nicht ab, brachte aber auch keine Leistung. Ich habe ihn dann beim Händler des Vertrauens meines Vermieters abgestellt, wo er immer noch steht.

Taxen und Songtheaws kamen keine mehr vorbei, also stand mir ein schöner Spaziergang zu Fuß bevor. Sind ja nur ca. 3 Kilometer. Ein Klacks. Ich bin runter zum Strand, wo die Wellen den größten Teil des Strandes vereinnahmten – vereinnehmen.

Irgendwann habe ich dann einen armen, kleinen Vogel am Strand kauern sehen, der nicht vor und zurück konnte. Da ich das Federvieh nicht so liegen lassen konnte und er auch meine gut gemeinten Versuche, ihn auf einen Ast zu setzen, damit die Federn schneller trockneten, mit einem Kopfklatscher endeten, habe ich ihn kurzerhand erstmal mitgenommen.

Im einsetzenden Tropenregen, mit Schuhen und Vogel in den Händen, bin ich weitergestapft. Ein Thai, der mir entgegenkam, war ganz interessiert daran, den Vogel an sich zu nehmen. Er hätte schon so welche in einem Käfig bei sich zu Hause. So einen Käfig hatte ich erst letztens gesehen. Da saß ein völlig verkümmerter Seeadler in einem rostigen Drahtgestell. Nein, danke, da nehme ich ihn erstmal weiter mit.

Kurz bevor ich zu der Stelle kam, wo im nördlichen Lamai eine Brücke über eine Lagune, geschlagen ist, wurde ich von 4 oder 5 Thais abgefangen. Da käme ich nicht weiter. Die Lagune war über die Ufer getreten und das Wasser hat sich einen Weg von dort runter zum Strand gebahnt. Normalerweise ist die Lagune eine ziemlich stinkige Pfütze mit stehendem Wasser. In der Nacht hatte sie sich in einem Wildwasser-Kanal verwandelt, der mit starker Strömung ins Wasser floß.

Ich mußte also wieder umdrehen. Die Thais, allesamt Frauen, boten mir an, mich zur Straße zu bringen. Sie arbeiten in einem Strandresort, dessen mittelmäßiges Restaurant ich gerade zwei Tage zuvor für mein Mittagessen aufgesucht hatte. Sie erzählten mir dann, daß sie schon geschlafen hätten, aber durch den starken Regen aufgeweckt wurden.

Auf dem steinigen Sandweg zur Straße stellte ich erstaunt fest, wo plötzlich überall Wasser lang schoß. Als mir die Straße erreicht hatten, ich immer noch mit Schuhen als Regenschutz für den Vogel in der Hand, war von der Straße nichts mehr zu sehen. Wir sind dann ein Stück im knie-tiefen Wasser in die Beachstreet reingewatet, haben aber nach einer Pause kehrt gemacht. Als nächstes ging es quer über die Straße (noch tieferes Wasser mit relativ starker Strömung) zur Polizei-Station. Die Polizisten tollten in Shorts im Wasser und fischten interessante Dinge, die dort lang trieben, heraus. Helfen konnten sie aber auch nicht.

Vorher war mir schon angeboten worden, daß vier Mädels in einem Zimmer schlafen und ich das andere bekommen könnte. Das habe ich aber dankend abgelehnt. Als nächstes kam dann die Idee auf, daß ich in der Rezeption schlafen könnte. Dem habe ich zugestimmt. Also sind wir zurück zum Resort. Der Nachtportier hat mir dann Kopfkissen und Decke gebracht, von einer Frau, habe ich einen Thai-Schlafanzug in Größe L geliehen bekommen, dessen Beine natürlich viel zu kurz, der aber ansonsten gut passte. So konnte ich auf einer Holzbank Quartier beziehen. Das war dann gegen 3 Uhr morgens.

Für 6 Uhr morgens war der Weckdienst angekündigt. Das hielt den Portier aber nicht davon ab, noch ein Replay des Fußball-Matches Werden Bremen gegen Barcelona zu sehen. Irgendwie bin ich dann trotz grellen Neon-Lichtes, harter Schlaffläche und laufendem Fernseher eingeschlafen.

Der Vogel wurde erstmal in einem Wäschekorb untergebracht, weil nachts wohl die Katzen in der Gegend streunen, und er noch nicht vom Fleck kam. Der Korb war ordentlich abgedunkelt. Ich hoffe mal, der Vogel konnte wenigstens so viel ruhen, wie ich.

Irgendwann gegen 5 Uhr kamen Farangs reingeschneit, die einen Ausflug machen wollten, oder ausziehen, weil es so doll regnete. Ich weiß es nicht genau. Sie kamen jedenfalls nicht weit.

Ich wurde gnädigerweise erst um 7 Uhr aus den Federn geworfen. Der Portier hat dann noch ein kostenloses Frühstück für mich arrangiert. Kostenlos war gut, weil ich keinen Pfennig in der Tasche hatte, weil ich abends schon wußte, daß ich naß werden würde.

Nach dem Frühstück stellte sich die Frage, was ich mit dem Vogel mache. Ich habe ihn erstmal aus dem Korb gehoben. Er hat te eindeutig mehr Energie und ist sogar einen Satz geflogen. Ein Thai hat sich dann seiner angenommen. Ich hoffe, er ißt ihn nicht…

Der Mann einer Mitarbeiterin hat mich dann zur Arbeit gefahren, wo ich jetzt einsam und alleine sitze. Draußen regnet es in Strömen, die Straßen stehen überall unter Wasser, sämtliche Taxen und Songtheaws, die ich zur Mitnahme bewegen wollte, haben mich ignoriert. Der Sawadee Chaffeur, den die eine Mitarbeiterin unten freundlicherweise, bestellt hatte, um mich nach Hause zu fahren, hat nach 500 Metern kleinbeigegeben und ist umgedreht. Minibusse sind für diese Insel einfach nicht geeignet!

Ich muß nochmal explizit erwähnen, wie liebenswürdig und hilfsbereit die Thais sein können. Auch der Umgang mit Tieren ist sehr interessant. Etliche Thais haben unterwegs beim Vogel geguckt, ob er gebrochene Flügel hat. Eine Mitarbeiterin des Resorts, hat ihn mir ganz selbstverständlich abgenommen, als ich kurz im Bad verschwunden war.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>