-
2
Apr
Nachdem wir gestern problemlos in Riga angekommen sind, haben wir uns für heute die in der Nähe liegende Altstadt vorgenommen.
Es ist früher Nachmittag ehe wir uns dazu bewegen können, das Hotelzimmer zu verlassen. Das Wetter ist scheußlich. Es regnet ununterbrochen. Wir haben uns heute für Tour 1 aus dem Riga Reiseführer Dumont direkt entschieden.
Bevor wir auf die Spuren der Hanse gehen, statten wir einem Café einen Besuch ab. Dort gibt es interessanterweise neben allerlei Kuchen auch Kraut-Salate und warme, lokale Speisen. Die Gerichte lassen sich beliebig mixen. Wir nehmen drei verschiedene Salate, ein Fleischbällchen und Pflaumensaft aus dem 2-Liter-Karton. Die Abrechnung erfolgt nach Gewicht. Die Salate kosten zwischen 0,40 Sentimes und 0,55 Sentimes. Unsere Rechnung beläuft sich auf 2,70 Lats. Das Essen schmeckt vorzüglch.
Gestärkt machen wir uns auf die Suche nach den beiden Gildenhäusern. Ständig überschätze ich die Größe der Altstadt, weshalb wir immer eine Strasse weiter sind als gedacht. Die meisten Geschäfte sind geöffnet, obwohl es Karfreitag ist. Das nutzen wir, um uns in einem Laden mit moderner Kunst und Schnickschnack umzusehen.
Eine Ecke weiter stehen die prachtvollen Gildehäuser aus dem 19. Jahrhundert. Ein Blick ins Innere bleibt uns verwährt, aber die schönen Fassaden begeistern uns bereits.
Den Eingang zum Konventhof, dem nächsten Ziel auf der Tour, verpassen wir, da dieser durch Bauarbeiten gesperrt ist. Überhaupt wird zur Zeit in der Altstadt viel gewerkelt und gehämmert. Glück durch Umweg, denn so entdecken wir das Stück der wiederaufgebauten Stadtmauer am Johannishof, die einst den inneren Kern Rigas umgab. Durch einen Torbogen hindurch erreichen wir wieder unsere Route.
Wir entdecken die Bremer Stadtmusikanten mit glatt polierten Schnauzen. Bremen ist offizielle Partnerstadt Rigas und die Statue ein Geschenk. Sie steht zwischen Petrikirche und Johanniskirche. Wir gehen ein Stück rückwärts auf der Route, um uns den Konventhof näher anzuschauen. In den Geschäften des Gebäudeensemble mit den kleinen Gassen haben sich viele Antiquitätenhändler niedergelassen.
Bei unserer Stippvisite in der Petrikirche, wo gerade ein schlecht besuchter Gottesdienst stattfindet, müssen wir heute auf eine Besichtigung des Turms verzichten. Dieser öffnet morgen erst wieder seine Pforten, aber angesichts des weiterhin schlechten Wetters hätte uns eh keine sonderlich gute Sicht erwartet.
Kälte und Regen treiben uns in der Audeju iela in ein Café. Drinnen empfängt uns neben einer angenehmen Wärme eine schöne Auswahl selbstgebackener Kuchen und Konditoreispezialitäten. Wir entscheiden uns für verschiedene Kreationen mit Obst. Die Mini-Desserts kosten zwischen 0,20 Sentimes und 0,55 Sentimes. Den Kaffee gibt es für 0,70 Sentimes.
Gestärkt und aufgewärmt setzen wir unsere Tour fort, um prompt wieder eine Strasse zu spät abzubiegen. Wir passieren die rundherum erneuerte jüdische Synagoge und entdecken fortlaufend schöne, alte Häuser. Besonders begeistert uns das leider dem Zerfall preisgegebene Dannensternhaus, das einstmals von einem deutschen Kaufmann gebaut wurde.
Einige hundert Meter entfernt suchen wir Unterschlupf vor dem Regen im Hauseingang des wiederaufgebauten Schwarzhäupterhaus. Von dort können wir das gegenüberliegende Rathaus, das Okkupationsmuseum und das düstere Gebäude der Technischen Universität betrachten.
Lange hält es uns dort nicht. Wir ziehen weiter zum Dom, dem größten Kirchengebäude im Baltikum. Um die Ecke entdecken wir ein wunderschön hergerichtes Gebäude in hellem Sandstein. Die Renovierungsarbeiten können noch nicht sehr lange abgeschlossen sein, denn die Farben strahlen noch gegen den grauen Himmel an. Dennoch fällt der Putz am Fuss des Gebäudes bereits ab. Wir wundern uns wieder einmal, warum es in einer Stadt, in der es so viel regnet, nicht möglich ist, funktionierende Abwassersystem zu bauen. Überall begegnen einem Pfützen auf der Strasse.
Der Dom ist dann ausgerechnet auch noch in eine Senke eingelassen. So wirkt es heutzutage zumindest. Wir können das mächtige Gemäuer nicht betreten. Um 19 Uhr findet ein Orgelkonzert auf einer der größten und wohlklingensten Orgeln der Welt statt. Wir beschließen zu späterer Stunde wiederzukehren.
Weit kommen wir nicht. Die Kälte ist zu unangenehm. An der Poju gate treten wir in ein Eck-Café ein, wie es auch im Prenzl Berg stehen könnte. Die Innendeko ist wild gemischt, aber dennoch ausgewählt. Alles ist im Seventies Style. Da die Suppe des Tages ausgerechnet heute eine kalte lettische Spezalität ist, entscheide ich mich für einen grünen Tee für einen Lats.
8 Minuten vor 19 Uhr stellen wir fest, dass es Zeit wird, zum Dom zu gehen. Rechtzeitig erreichen wir dessen Tor und kaufen für jeweils 5 Lats ein Ticket in der preiswertesten Kategorie. Von einer günstig gelegenen Seitenbank können wir dennoch einen guten Blick auf die wunderschöne Orgel werfen. Obwohl diese gerade restauriert wird, wissen wir ihren Klang bereits beim ersten Ton zu schätzen! Das Konzert wird immer wieder begleitet von den Stimmen einer Frau, einem Mann oder einem ganzen Chor.
Entspannt und hellauf begeistert verlasen wir den Dom und kehren zum Abendmahl in das direkt dem Dom gegenüberliegende Restaurant ein. Unsere Gulasch- und Schafsuppe schmecken hervorragend. Das dunkle vorweg gereichte Brot – eine lettische Spezialität – veredelt das Mahl geradezu.
Durch eine stille und weiterhin verregnete Altstadt kehren wir umgehend nach unserem Restaurantbesuch zu unserem Hotel zurück.
Hast Du schon meinen kostenlosen RSS-Feed abonniert? Du kannst Dir neue Beiträge auch per E-Mail zuschicken lassen.
- Veröffentlicht von Fabio in Reisen
- Wenn Du diesen Blog magst, nimm Dir die Zeit und abonniere meinen RSS-Feed!
Einen Kommentar hinterlassen