Nach einem opulenten Frühstück im Hotel machen wir uns auf den Weg, um noch mehr Lebensmittel zu sehen. Auf dem Zentralmarkt in Riga mit seinen fünf riesigen Hallen werden die Produkte der lokalen Wirtschaft zu Großhandelspreisen auch an Endkunden verkauft.

In der ersten Halle, die wir betreten, wird ausschließlich frisches Fleisch feilgeboten. Die meisten der gefühlt 200 Stände verkaufen mehr oder weniger dasselbe. An einigen Ständen gibt es aber auch exotischere Fleischwaren wie Leber für ein Lats das Kilo. Das teuerste Produkt, was ich beim Durchschreite der Halle sehe, ist Rinderfilet für etwas unter fünf Lats das Kilo.

Wir halten uns nicht allzu lange in dieser Halle auf. Über einen offenen Hof, vorbei an einigen Obst- und Gemüseständen, wo Weintrauben, Äpfel und Erdbeeren verkauft werden, betreten wir durch eine hölzerne Schwingtür die zweite Halle. Hier herrscht reges Treiben. Alles dreht sich um leckere Milch- und Backwaren. Wir schlendern gemütlich umher. Unsere Vermutung das hier auch Honig verkauft wird, stellt sich wenige Minuten später als richtig heraus. Es gibt echten Honig direkt vom Inker in hell und dunkel und sehr vielen Farbnuancen dazwischen. Wir entscheiden uns für ein Honig, dessen Farbe etwas heller ausfällt. Nach Austausch des Geldes entdecken wir keine drei Stände weiter eine noch größere Auswahl an interessant aussehenden Honigen. Die omaliche Verkäuferin erkennt uns sofort als potentielle Käufer und bietet uns eine Kostprobe an. Die zweite Sorte, die wir kosten, wird später in unser Speisekammer Einzug finden.

Im Übergang zu den nächsten Hallen entdecken wir Supermärkte. Die Hallen gehen jetzt nahtlos ineinander über, ohne dass wir Fuß ins freie setzen müssen. In der Gemüsehalle wird verzehrfertiges Kraut und allerlei lokal angebautes Gemüse verkauft. Die Karotten sind, anders als aus unseren Supermärkten gewöhnt, ungewaschen, dafür aber bestimmt mehr als das doppelte so groß. Hätten wir in unserem Hotel eine Kochstelle, würden wir uns heute ein Festessen aus frischen Zutaten zubereiten.

So besuchen wir als Letzte noch die riesige Fischhalle. Was dort verkauft wird, schlägt uns bereits Meter vor dem Eingang entgegen. Und das obwohl der Fisch alles andere als alt ist. Im Gegenteil! Die meisten Fische leben noch. In den Verkaufsbottichen rappelt und zappelt, zuckt und ruckt es. Den Tieren in ihrem Todeskampf zuzusehen, ist kein schöner Anblick. Als ich dann noch Neunaugen, ein in Europa zu den gefährdeten Arten zählender Fisch, in rauen Mengen sehe, will ich nur noch weg.

An einem kleinen Essenstand in der Nachbarhalle bestellen wir mit Händen und Füßen unseren Mittagstisch. Ortstypisch verzehren wir Fleischklops nebst Kraut. Das Essen mundet erstmal, liegt später aber schwer im Magen.

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