Nachdem wir gestern problemlos in Riga angekommen sind, haben wir uns für heute die in der Nähe liegende Altstadt vorgenommen.

Es ist früher Nachmittag ehe wir uns dazu bewegen können, das Hotelzimmer zu verlassen. Das Wetter ist scheußlich. Es regnet ununterbrochen. Wir haben uns heute für Tour 1 aus dem Riga Reiseführer Dumont direkt entschieden.

Bevor wir auf die Spuren der Hanse gehen, statten wir einem Café einen Besuch ab. Dort gibt es interessanterweise neben allerlei Kuchen auch Kraut-Salate und warme, lokale Speisen. Die Gerichte lassen sich beliebig mixen. Wir nehmen drei verschiedene Salate, ein Fleischbällchen und Pflaumensaft aus dem 2-Liter-Karton. Die Abrechnung erfolgt nach Gewicht. Die Salate kosten zwischen 0,40 Sentimes und 0,55 Sentimes. Unsere Rechnung beläuft sich auf 2,70 Lats. Das Essen schmeckt vorzüglch.

Gestärkt machen wir uns auf die Suche nach den beiden Gildenhäusern. Ständig überschätze ich die Größe der Altstadt, weshalb wir immer eine Strasse weiter sind als gedacht. Die meisten Geschäfte sind geöffnet, obwohl es Karfreitag ist. Das nutzen wir, um uns in einem Laden mit moderner Kunst und Schnickschnack umzusehen.

Eine Ecke weiter stehen die prachtvollen Gildehäuser aus dem 19. Jahrhundert. Ein Blick ins Innere bleibt uns verwährt, aber die schönen Fassaden begeistern uns bereits.

Den Eingang zum Konventhof, dem nächsten Ziel auf der Tour, verpassen wir, da dieser durch Bauarbeiten gesperrt ist. Überhaupt wird zur Zeit in der Altstadt viel gewerkelt und gehämmert. Glück durch Umweg, denn so entdecken wir das Stück der wiederaufgebauten Stadtmauer am Johannishof, die einst den inneren Kern Rigas umgab. Durch einen Torbogen hindurch erreichen wir wieder unsere Route.

Wir entdecken die Bremer Stadtmusikanten mit glatt polierten Schnauzen. Bremen ist offizielle Partnerstadt Rigas und die Statue ein Geschenk. Sie steht zwischen Petrikirche und Johanniskirche. Wir gehen ein Stück rückwärts auf der Route, um uns den Konventhof näher anzuschauen. In den Geschäften des Gebäudeensemble mit den kleinen Gassen haben sich viele Antiquitätenhändler niedergelassen.

Bei unserer Stippvisite in der Petrikirche, wo gerade ein schlecht besuchter Gottesdienst stattfindet, müssen wir heute auf eine Besichtigung des Turms verzichten. Dieser öffnet morgen erst wieder seine Pforten, aber angesichts des weiterhin schlechten Wetters hätte uns eh keine sonderlich gute Sicht erwartet.

Kälte und Regen treiben uns in der Audeju iela in ein Café. Drinnen empfängt uns neben einer angenehmen Wärme eine schöne Auswahl selbstgebackener Kuchen und Konditoreispezialitäten. Wir entscheiden uns für verschiedene Kreationen mit Obst. Die Mini-Desserts kosten zwischen 0,20 Sentimes und 0,55 Sentimes. Den Kaffee gibt es für 0,70 Sentimes.

Gestärkt und aufgewärmt setzen wir unsere Tour fort, um prompt wieder eine Strasse zu spät abzubiegen. Wir passieren die rundherum erneuerte jüdische Synagoge und entdecken fortlaufend schöne, alte Häuser. Besonders begeistert uns das leider dem Zerfall preisgegebene Dannensternhaus, das einstmals von einem deutschen Kaufmann gebaut wurde.

Einige hundert Meter entfernt suchen wir Unterschlupf vor dem Regen im Hauseingang des wiederaufgebauten Schwarzhäupterhaus. Von dort können wir das gegenüberliegende Rathaus, das Okkupationsmuseum und das düstere Gebäude der Technischen Universität betrachten.

Lange hält es uns dort nicht. Wir ziehen weiter zum Dom, dem größten Kirchengebäude im Baltikum. Um die Ecke entdecken wir ein wunderschön hergerichtes Gebäude in hellem Sandstein. Die Renovierungsarbeiten können noch nicht sehr lange abgeschlossen sein, denn die Farben strahlen noch gegen den grauen Himmel an. Dennoch fällt der Putz am Fuss des Gebäudes bereits ab. Wir wundern uns wieder einmal, warum es in einer Stadt, in der es so viel regnet, nicht möglich ist, funktionierende Abwassersystem zu bauen. Überall begegnen einem Pfützen auf der Strasse.

Der Dom ist dann ausgerechnet auch noch in eine Senke eingelassen. So wirkt es heutzutage zumindest. Wir können das mächtige Gemäuer nicht betreten. Um 19 Uhr findet ein Orgelkonzert auf einer der größten und wohlklingensten Orgeln der Welt statt. Wir beschließen zu späterer Stunde wiederzukehren.

Weit kommen wir nicht. Die Kälte ist zu unangenehm. An der Poju gate treten wir in ein Eck-Café ein, wie es auch im Prenzl Berg stehen könnte. Die Innendeko ist wild gemischt, aber dennoch ausgewählt. Alles ist im Seventies Style. Da die Suppe des Tages ausgerechnet heute eine kalte lettische Spezalität ist, entscheide ich mich für einen grünen Tee für einen Lats.

8 Minuten vor 19 Uhr stellen wir fest, dass es Zeit wird, zum Dom zu gehen. Rechtzeitig erreichen wir dessen Tor und kaufen für jeweils 5 Lats ein Ticket in der preiswertesten Kategorie. Von einer günstig gelegenen Seitenbank können wir dennoch einen guten Blick auf die wunderschöne Orgel werfen. Obwohl diese gerade restauriert wird, wissen wir ihren Klang bereits beim ersten Ton zu schätzen! Das Konzert wird immer wieder begleitet von den Stimmen einer Frau, einem Mann oder einem ganzen Chor.

Entspannt und hellauf begeistert verlasen wir den Dom und kehren zum Abendmahl in das direkt dem Dom gegenüberliegende Restaurant ein. Unsere Gulasch- und Schafsuppe schmecken hervorragend. Das dunkle vorweg gereichte Brot – eine lettische Spezialität – veredelt das Mahl geradezu.

Durch eine stille und weiterhin verregnete Altstadt kehren wir umgehend nach unserem Restaurantbesuch zu unserem Hotel zurück.

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Vielleicht sollte ich mit dem Tag davor beginnen. Einer der Chefs im Haus, der einen Rundgang durch die Büros gemacht hat, um sich zu erkundigen, ob alles dicht sei, hatte sich eine Mitfahrgelegenheit um 19 Uhr bis zur Tankstelle in Lamai organisiert. Da ich vom Abend zuvor schon wusste, dass selbst diese nur 2 Kilometer entfernte Tankstelle, nur mit einem Umweg von 5 Kilometer Länge, zu erreichen ist, habe ich mich kurzerhand dazugesellt.

Wir wurden also mit einem grossen, hohen Pick-Up Truck gegenüber der Tankstelle abgesetzt. Leider lag das Problem genau dazwischen – ein Meter hoher Fluss. Die nächste Mitfahrgelegenheit war Bernds Auto. Das stand allerdings nicht an der Tankstelle, sondern mitten in Lamai. Dumm nur, dass das Wasser den gleichen Weg nahm. So mussten wir ca. einen Kilometer durch knie-hohes Wasser waten immer in der Ungewissheit wie der Untergrund aussieht.

An der Brücke in Lamai ging es nicht weiter, weil sich gleich 3 Strommasten quer gelegt hatten. Das war Minuten bevor wir dort ankamen passiert. Wir haben uns dann erstmal in eine Bar gesetzt, um zu warten. Irgendwann kam aus Richtung Brücke ein weiterer Expat. Er hatte nicht gewartet und ihn hat prompt der Schlag erwischt, weshalb er erstmal einen Abgang ins Wasser gemacht hatte. Irgendwann kam ein alter, deutscher Sex-Tourist (extrem unangenehm und widerlich), der den gleichen Weg gegangen war. Der Strom war abgestellt.

Wir sind dann über die Brücke zum Auto weitergewatet. Ich wurde ein Stück die Beachroad mitgenommen, ehe ich den Rest des Weges zu Fuss gehen durfte. Überall war noch reichlich Wasser, am Schlimmsten natürlich an der Kreuzung zu meinem Haus, aber da war es schon so egal, weil es immer noch regnete, ich keinen Schirm hatte, und pitschnass war.

Heute morgen war das Wetter schon wesentlich freundlicher. Ich bin dann von meinem Haus mit Regenschirm und kurzen Hosen bewaffnet zum IT Complex gelaufen, vorbei am Wat, an der Brücke, am Strand und bei der Motorrad-Werkstatt. Die Werkstätten hatten heute das Geschäft ihres Tages. Ich war nicht der einzige, der meinte, er könne im tiefen Wasser fahren. Der Mechaniker war sich nicht sicher, ob der Roller heute oder morgen fertig wird. Letztendlich konnte ich ihn aber einige Stunden später gegen Bezahlung von 180 Bath (ca. 3.60 Euro) für Ölwechsel und eine neue Zündkerze entgegennehmen.

Danach bin ich dann erstmal auf Fototour gegangen. Die Bilderstrecke ist in meiner Gallerie zu besichtigen. Das Hochladen dauert allerdings noch an (18:52 Uhr, Samui-Ortszeit). Insgesamt sind es um die 90 Fotos.

Ich muss leider wieder einmal feststellen, dass am Meisten die Schwachen und Armen leiden. Am Wat Lamai hat es die meisten Hütten des dortigen Slum zerdrückt. Die thailändische Regierung wollte ja, dass Thailand innerhalb von 10 Jahren slumfrei wird, aber so haben sie sich das sicherlich nicht vorgestellt.

Das gesamte Lamai südlich der Brücke war gestern ohne Strom. Das gesamte Lamai? Nein, ein kleines, teures Resort direkt neben der Brücke hatte seine brüllend lauten Notstrom-Aggregatoren laufen. Die feinen Damen und Herren sollen ja nicht durch so Widrigkeiten wie Stromausfälle belästigt werden, v.a. nicht, wenn es die gleichen Leute sind, die hier und anderswo nicht unwesentlich für Ursachen der Probleme verantwortlich sind. Das würde ja zu einem schlechten Gewissen führen.

Ganz nach Thai-Manier wurde überall geschraubt, gesägt, gehämmert und geschippt. Der Regen hat Unmengen Sand aus den Bergen mitgebracht. Kein Wunder, wenn überall die Wälder abgeholzt werden! Von dem Pragmatismus hier können sich die Leute in Deutschland mal was abgucken. Hier wird nicht gejammert, sondern angepackt. Und ich jammere nicht, sondern kritisiere! ;-)

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